136 Trios für zwei Melodieinstrumente und Basso continuo sind unter dem Namen „Graun“ überliefert. Die stattliche Anzahl wie auch die Verbreitung der Kompositionen und nicht zuletzt ihre künstlerische Qualität belegen die bedeutende Rolle, die die Gattung im Schaffen der Brüder Carl Heinrich und Johann Gottlieb Graun einnahm. Die späte Blüte der von Arcangelo Corellis klassischen Werken wesentlich geprägten Triosonate in Norddeutschland wurde von ihren Kompositionen mitgetragen.
Das Trio D-Dur GraunWV B:XV:55 ist in fünf Partiturabschriften sowie in insgesamt elf Stimmensätzen unterschiedlicher Provenienz überliefert. Bemerkenswert ist nicht nur die hohe Anzahl der überlieferten Quellen, sondern auch, dass das Werk offenbar bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Berlin in verschiedenen Besetzungen am Hof und bei den Musikliebhabern kursierte. Am häufigsten ist das Stück in der Besetzung für zwei Flöten und B.c. überliefert, gefolgt von den Fassungen für obligates Cembalo und Flöte. Erhalten ist aber auch eine Abschrift für zwei Violinen und B.c. Für die einstige Popularität des Werkes spricht ebenfalls, dass Johann Joachim Quantz verschiedene Passagen daraus in seinen Solfeggi Pour La Flute Traversiere zitiert.
Ziel der vorliegenden Edition war es primär, eine Version für Solostimme und obligates Cembalo zu edieren, eine Besetzung, die in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Berlin äußerst populär war. Gleichwohl sollen es die der Edition beigelegten Stimmen für beide Soloinstrumente (und Basso) gestatten, das Stück auch in den übrigen der überlieferten Besetzungen zu musizieren.