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Dieses Buch kommt
in vielerlei Hinsicht zur rechten Zeit,und viel früher wäre
es wohl auch nicht möglich gewesen.Denn die wiedergewonnene Einheit
der Stadt schärft das Geschichtsbewusstsein und lässt erahnen,wieviele
Glieder der lebendigen Kette,die frühere Generationen miteinan-der
verband und zusammenführte,uns heute (noch) fehlen-besonders in
der historischen Mitte von Berlin. Zwar werden die Wunden von Krieg,
Nachkriegs-Kahlschlag und Teilung so schnell nicht (wenn überhaupt)
heilen können, aber in einem der Zukunft zugewandten Prozess desWieder-zusammenwachsens
gewinnt eben auch dieVergangenheit,auf der alles basiert,ein immer größeres
Gewicht.Was wäre die Geschichte und die Bedeutung der drei Bürgerkirchen
im historischen Zentrum Berlins (St.Petri-heute planiert,St.Nikolai-heute
Museum,St.Marien-heute eine wie eh und je aktive Kirche mit Musik) ohne
das BerlinischeGymnasium Zum Grauen Kloster,mit dessen Namen sich seit
1963 das 1949 neugegründete Evangelische Gymnasium in Schmargendorf
schmückt und dessen Schulchöre früher in diesen Kirchen
sangen? Was wäre die Musik in diesen Kirchen ohne die-Burg-,also
ohne das seit 1902 in Charlottenburg angesiedelte,ehemals Königliche,
ursprünglich von Zelter geleitete Institut für Kirchenmusik,
wo die für die ganze Stadt gedachte Ausbildung der Kantoren und
Organisten zentralisiert war und im Rahmen der Universität der
Künste heute wieder ist? Auf die Zerstörungen des Krieges
folgt ein der Mitte Berlins auf SED-Geheiß der städtebauliche
und kulturelle Kahlschlag all dessen, was an Hof und Kirche erinnern
konnte, die einst dominant waren und sich doch zusammen mit den Museen,
der Oper, der Staatsbibliothek, der Universität und vielenWohnhäusern
zu einem Ensemble gefügt hatten. Heute erst ist es auch möglich,
die über die Stadt-und Landes geschichte forschen-denVorarbeiten
und Ergebnisse von Einzelstudien (durchaus auch die von bisherigen Einzelkämpfern
wie Christoph Henzel) zu bündeln, und erst jetzt bestanden der
Wunsch und die Möglichkeit, mit der Kantorei der einen, immer noch
aktiven Zentralkirche Berlins (der von St.Marien) aufgefundene,wiederentdeckte
Kirchenmusik aus früheren Perioden auch wieder aufzuführen
und wie früher »mit vollen Chören«, wie es in
dem von Johann Crügcr vertonten Paul-Cerhardt-Lied »Fröhlich
soll mein Herze springen« heißt, zum Klingen zu bringen.[...] |
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