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Aus dem
Vorwort zur Partitur
Von
Gerhard Poppe
In einer Zeit der umfassenden Wiederentdeckung von Dresdner Komponisten
und ihren Werken ist Johann Georg Schürer (um 17201786)
bis heute nur Spezialisten bekanntgeworden, obwohl er wie nur wenige
andere das Musikrepertoire der Dresdner Hofkirche mitbestimmte und
seine Laufbahn in mancher Hinsicht typisch für katholische Mitglieder
der Dresdner Hofkapelle war.
Geboren um 1720 in Böhmen (in Hanpach?), kam er 1732 an den
Dresdner Hof und war zunächst als Sängerknabe und Organist
sowie von 1740 bis 1748 als Schulmeister in der von Jesuitenpatres
geleiteten
Lateinschule tätig. Nach ersten kompositorischen Erfolgen als Leiter
einer unabhängigen Operntruppe, erhielt er am 6. September
1748 eine Anstellung als Kirchen-Compositeur am Hof. In den folgenden
zweieinhalb Jahrzehnten komponierte Schürer für die verschiedenen
Gottesdienste insgesamt 40 Messen, ein separates Kyrie für die
Osternacht, 56 Offertorien, zehn Motetti, drei Totenmessen, ein Totenoffizium,
drei Te Deum laudamus, 15 Litaniae lauretanae mit Sub tuum praesidium,
zwei weitere Sub tuum praesidium, zwei Litaniae Xaverianae,
66 marianische Antiphonen, sieben Miserere, ein Versetto, einen Eröffnungsversikel
für die Vesper, 24 aus Psalmen und Magnificat bestehende
Vesperzyklen sowie zahlreiche Einzelpsalmen und eine Komplet. Der Wandel
des Repertoires von der Musik der Ära Heinichen-Ristori-Zelenka
zu einem moderneren Stil vollzog sich endgültig erst
in den 1750er und 1760er Jahren und ist wesentlich mit Schürers
Kompositionstätigkeit verbunden.
Eine Sonderstellung innerhalb der Dresdner Überlieferung nehmen
sechs Messen Schürers ein, die 1758 und von 1760 bis 1764 am Fest
des heiligen Antonius von Padua (13. Juni), dem Namenstag der Kurprinzessin
Maria Antonia Walpurgis, zur Aufführung kamen. Nach den
Aufführungen wurde der Kurprinzessin jeweils eine Abschrift der
Messe einschließlich des Offertoriums als Widmungsexemplar überreicht,
das
anschließend Eingang in ihre private Musikaliensammlung fand.
Die vorliegende Missa in d-Moll steht für das heute nicht mehr
erschließbare
Gesamtwerk eines Komponisten, der jahrzehntelang wesentlich zum Ruhm
der Dresdner Hofkirchenmusik beigetragen hat und dessen
Können dem der Kapellmeister und Kirchen-Compositeurs mit bekannteren
Namen in keiner Weise nachstand.
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