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Rezension
in: Das Orchester 12/2011, Seite 74
Von
Daniel Knödler
Das Musikleben
an den vielen Dutzend größeren und kleineren Fürstenhöfen
im Deutschland des 17. bis 19. Jahrhunderts klingt zum Teil heute noch
nach. Einerseits durch die immer noch, freilich unter anderem Namen,
bestehenden Hoforchester und die vielen barocken und klassizistischen
Theaterbauten, andererseits durch die zahlreichen, in Hofbibliotheken
teilweise sehr gut erhaltenen Kompositionen, die an diesen Höfen
und für diese von eigens engagierten Komponisten, Kapellmeistern
oder Instrumentalsolisten geschrieben wurden.
Auch die Herzöge von Mecklenburg-Schwerin leisteten sich über
viele Jahrzehnte hinweg nicht nur ein eigenes, für die Zeit durchaus
umfangreiches Orchester, sondern verpflichteten auch weithin bekannte
Hofkomponisten wie zuletzt, am Ende des 18. Jahrhunderts, Antonio Rosetti.
Dessen Vorgänger im Amt war über zwei Jahrzehnte Carl August
Friedrich Westenholtz, der am zu Beginn seiner Amtszeit nach Ludwigslust
verlegten Hof vor allem geistliche Musik zu schreiben und aufzuführen
hatte. Eines seiner raren Instrumentalwerke liegt jetzt im Rahmen einer
Reihe mit Musik des Ludwigsluster Hofs aus dem Ortus-Verlag vor.
Das Konzert für Violoncello, Streicher und Generalbass von Carl
August Friedrich Westenholtz ist kein Virtuosenwerk, sondern viel eher
eine Streichersinfonie mit obligatem Cello. Dabei darf sich das Soloinstrument
zwar ab und zu aus den Begleitstimmen herauslösen, dann aber eher
klanglich als hinsichtlich der Stimmführung. Über weite Strecken
wird die Solostimme außerhalb der Tutti-Blöcke von den ersten
Violinen sekundiert. Etwas längere gesangliche Abschnitte darf
das Violoncello obligato im langsamen Satz gestalten. Nicht
nur im entsprechend bezeichneten Finalsatz bietet der Komponist klanglich
eher pastorale Stimmungen auf, die schon durch die Tempowahl (es fehlt
ein wirklich rascher Abschnitt) nahegelegt werden. Man mag dabei aus
den gesanglich angelegten Ritornellen insbesondere des Einleitungssatzes
Anklänge an Westenholtz Hauptaufgabe, die Gestaltung der
geistlichen Musik am Hof, heraushören.
Partitur und Stimmen haben Karl Heller und Stefan Fischer sauber aufgearbeitet
ein Urteil, das um so mehr Bestand hat, wenn man sich die abgebildeten
Seiten aus den in Brüssel aufbewahrten Originalstimmen anschaut.
Und die Herausgabe dieses Nischenwerks eines weithin unbekannten Komponisten
dürfte zudem mehr als nur musikwissenschaftlich interessant sein,
ist doch das auch für versierte Laien leicht erschließbare
Repertoire für Violoncello und Orchester aus dem späten 18.
Jahrhundert sehr überschaubar.
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