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Ruggiero
Fedeli zählt zu den europaweit tätigen Komponisten und Musikern
des 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Geboren in Venedig, war ab
1669 Violaspieler in verschiedenen venezianischen Orchestern und an
St. Marco, ab 1674 Bassist an St. Marco. Ab 1677 wirkte er zunächst
in Bayreuth, ab 1687 am Dresdner Hof als Bassist. 1691-95 war er Kapellmeister
am Hof zu Berlin; in den Jahren danach trat er mehrfach als Sänger
in Hannover auf. Ab 1701 war Fedeli Kapellmeister des Landgrafen Karl
von Hessen-Kassel. Er blieb aber auch andernorts aktiv: als Musiker
und Komponist für den Berliner Hof nachweislich 1702, 1705 (Trauermusik
für Sophie Charlotte) und 1708, für Braunschweig (1702) und
für Wolfenbüttel (1704).
Fedelis
Almira ist zunächst eines der raren Zeugnisse der vielseitigen
Braunschweiger Opernkultur. Von den Braunschweiger Kapellmeistern Johann
Rosenmüller, Johann Theile, Johann Sigismund Kusser, Reinhard Keiser
und Georg Caspar Schürmann sind aus der Braunschweiger Zeit kaum
Opern erhalten.
Von besonderem Interesse ist die Oper darüber hinaus als Beispiel
für Fedelis Rolle bei der Vermittlung der italienischen Oper im
norddeutschen Raum. Im Unterschied zu den italienisch beeinflussten
deutschen Opernkomponisten und zu Agostino Steffani, dem in Deutschland
einflussreichsten italienischen Komponisten (mit ihm stand Fedeli nachweislich
1713-16 in Briefkontakt), verzichtet Fedeli auf die sonst in Braunschweig
wie auch an anderen deutschen Spielstätten übliche Mischung
mit französischen Elementen. Almira ist ein stilistisch rein italienisches
Werk venezianischer Prägung. Gerade diese Oper bildete den Ausgangspunkt
einer Serie deutscher Almira-Opern: Sie initialisierte eine durch Reinhard
Keiser in Auftrag gegebene Hamburger Textfassung, die von Keiser (nur
Akte 1 und 2, nicht aufgeführt ) und Georg Friedrich Händel
als Der in Krohnen erlangte Glücks=Wechsel, oder: Almira, Königin
von Castilien 1704 vertont wurde. Zwei weitere Almira-Opern Keisers
entstanden 1704 für Weißenfels (Almira, Königin von
Castilien) und 1706 für Hamburg (Der Durchlauchtigste Secretarius,
Oder: Almira, Königin in Castilien), jeweils auf Bearbeitungen
des ersten Hamburger Librettos. Auf der Hamburger sowie auf der Weißenfelser
Fassung basiert ein Libretto, das 1714 in Leipzig aufgeführt wurde
(Almire und Fernando). Von Leipzig ausgehend kam es 1717 in Baden-Durlach
zu einer Neuvertonung durch Johannes Käfer, Hofmusiker des Markgrafen
Carl Wilhelm.
Fedelis Almira wirkte also entscheidend auf die Hamburger Oper und führte
dort zur Einrichtung eines der erfolgreichsten deutschen Libretti der
Jahre ab 1704. Der durch die Hamburger Überlieferungslage mögliche
direkte Vergleich zwischen Fedeli, Keiser und Händel zeigt einerseits
das große Potenzial der Braunschweiger Fassung von Pancieri/Fedeli,
andererseits, wie massiv die Eingriffe bei der Bearbeitung für
die Hamburger Bühne waren und welchen spezifischen Anforderungen
an den musikalischen und szenischen Geschmack die neue Fassung genügen
musste. Für die Vermittlungswege von Opernstoffen von Italien nach
Deutschland, für die Art der Anverwandlung solcher Stoffe und Libretti
sowie für das Verständnis der Spezifika der deutschen Oper
um 1700 stellt Fedelis Almira damit ein zentrales Werk dar.
Hansjörg Drauschke
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