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Mit dieser Edition wird Johann Matthesons letzte vollständige Oper
in kritischer Neuausgabe vorgelegt. Das Werk wurde Matthesons Eintragungen
in der Partitur zufolge am 12. Januar 1711 vollendet und am 9. Februar
desselben Jahres erst-mals aufgeführt.
Die Oper Henrico IV. basiert auf historischen Gegebenheiten. Heinrich
IV. war der Sohn Johanns II. von Kastilien und Marias von Aragon. Er
wurde zuerst mit Blanca von Navarra vermählt. Nachdem diese Ehe
jedoch sieben Jahre lang unvollzogen geblieben war, ließ
Heinrich IV. sich 1453 scheiden. Zu dieser Zeit trug er bereits den
Beinamen El Impotente, im deutschen Sprachraum auch der
Ohnmächtige. Nach dem Tod seines Vaters wurde er König
von Kastilien (145474). In der anhaltenden Hoffnung auf einen
Thronfolger heiratete er nun Johanna von Portugal, die Schwester des
portugiesischen Königs Alfonso V. Trotz weiterer Versuche blieb
auch diese Ehe unvollzogen. Dass der Favorit des Königspaares,
Beltrán de la Cueva, nach der unerwarteten Geburt einer Tochter
1462 zum Grafen von Ledesma erhoben wurde, bestätigte Gerüchte
bei Hofe, denen zufolge es sich bei ihm um den wirklichen Vater des
Kindes handele.
Dieses delikate Sujet bearbeitete der zwischen 1711 und 1717 in Hamburg
lebende Librettist Johann Joachim Hoë (Lebensdaten unbekannt) nach
anonymer französischer Vorlage für die Gänsemarkt-Oper.
Ein besonderer Reiz geht vom spanischen Kolorit mit Tänzen und
Chören und der großen Stierkampfszene am Ende des zweiten
Akts aus. Bemerkenswert ist auch das Auftreten einer ,komischen Trias.
Zum Diener Alardo treten die Dienerin Petronella sowie deren vorübergehender
,Liebhaber Timo hinzu, wodurch das Motiv der um eine Frau Streitenden
Bertrand und Alfonso um Joanna auf der komischen Ebene
erneut aufgegriffen werden kann.
Musikalisch ist Matthesons Oper von ausgesprochen hoher Qualität.
Der Komponist verwendet einen differenzierten Orchesterapparat
mit obligaten Flöten, Oboen und Fagotten, Viola damore und
skordierten Violinen , wobei den einzelnen Instrumenten vielfältige,
zum Teil sehr virtuose Aufgaben zukommen. Immer wieder erweist sich
Mattheson als Meister ausdrucksstarker Melodik; Gesang und Instrumente
werden dabei gleichberechtigt behandelt. Auch das Spektrum an musikalischen
Formen schöpft er voll aus. Zu Da-capo-Arien kommen zahlreiche
auskomponierte ternäre Formen hinzu, außerdem verschiedene
zweiteilige Arientypen sowie ausgedehnte Chöre und Ensembles.
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