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Aus dem
Vorwort zur Partitur
Der
Aufstieg Berlins zu einer europäischen Musikmetropole in der zweiten
Hälfte des 18. Jahrhunderts, nach der Regierungsübernahme
Friedrichs II. 1740, verdankt sich zwei Umständen: der neuerlichen
Einbeziehung der Musik in das höfische Ritual, deren äußeres
Merkmal die Gründung einer Hofoper war, sowie der Entwicklung einer
vielfältigen bürgerlichen Musikkultur, die sich zunächst
in verschiedenen Musiziervereinigungen und später in einem öffentlichen
Konzertleben institutionalisierte.
Als ein Wegbereiter solcher Bestrebungen kann der am 19. Juni 1708 im
schlesischen Schweidnitz geborene Johann Gottlieb Janitsch angesehen
werden, der bereits 1738, während seiner Anstellung in der Rheinsberger
Kapelle des Kronprinzen Friedrich, mit der sogenannten Freitags-Akademie
eine Institution schuf, die auch später in Berlin bis zu seinem
Lebensende Bestand haben sollte. In diesen Musiziervereinigungen, deren
bekannteste neben Janitschs Akademie die 1749 gegründete Musikübende
Gesellschaft war, trafen sich Adlige und Bürger, musikalisch
ambitionierte Laien und Berufsmusiker gleichermaßen, um hier vor
allem die neuesten Kompositionen von Mitgliedern der Hofkapelle zu spielen.
Gepflegt wurden Sonaten für ein bis vier Instrumente, Sinfonien,
Ouverturen und Konzerte von Carl Heinrich und Johann Gottlieb Graun,
Carl Philipp Emanuel Bach, Christoph Nichelmann, Christoph Schaffrath,
Johann Joachim Quantz, Christian Friedrich Schale, Georg Czarth sowie
von Johann Gottlieb Janitsch. Diese musikalischen Gesellschaften, von
deren Repertoires sich heute viele Zeugnisse in den Musikaliensammlungen
der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz befinden,
bildeten neben der Hofmusik den Nährboden für die Entwicklung
der Instrumentalmusik in Norddeutschland im zweiten Drittel des 18.
Jahrhunderts.
[...] Mit den gegenwärtig bekannten Quellen zu Kompositionen Janitschs
scheint nur ein Teil der von Janitsch für die eigenen Freitags-Akademien
komponierten Instrumentalmusik überliefert zu sein. Immerhin liegt
damit aber insbesondere mit den Trios und Quadros
ein Ausschnitt aus jenem Teil seines uvres vor, den bereits seine
Zeitgenossen außerordentlich hoch schätzten. So notierte
der Schweriner Hofkomponist Johann Wilhelm Hertel in seiner 1784 entstandenen
Autobiographie: ... seine Quartetten sind noch zur Zeit die besten Muster
dieser Art.
Janitsch knüpft in seinen Kompositionen unmittelbar an die über
Pisendel, Quantz und den Brüdern Graun vermittelten Traditionen
der Komposition von Trios und Quadros an. In ihrer äußeren
Form an den Gattungsnormen der dreisätzigen Sonata da camera und
viersätzigen Sonata da chiesa festhaltend, folgen die Sonatensätze
in ihrer Binnenstruktur den harmonischen Konventionen der forma bipartita
(mit Ausnahme des meist durchkomponierten langsamen Einleitungssatzes),
also der jeweils wiederholten harmonischen Bewegung von der ersten zur
fünften Stufe (in Dur-Sätzen) und der entsprechenden Rückleitung
im zweiten Abschnitt. Ihre individuelle Prägung hingegen beziehen
Janitschs Trios und Quadros aus ihren feinnervigen, detailfreudig kolorierten
und rhythmisch subtilen, synkopenreichen Melodiebildungen, verbunden
mit einer souveränen kontrapunktischen Verknüpfung der einzelnen
Stimmen. [...] Worin die Schwierigkeiten bei der Interpretation seiner
Kammermusik bestehen, gibt Janitsch selbst im Vorwort zu seinen 1760
zwei Jahre vor seinem Tod als Op. I in Berlin gedruckten drei Sonate
da camera an: Es ist dieses eine Art von Composition, die aus drei Haupt=Stimmen,
und einer Grund=Stimme bestehet, davon die ersteren so eingerichtet
sind, daß sie sich beständig nachahmen, und folglich verständigen
Musicis Gelegenheit geben, bey Wiederholung derer Clausulen, ihre Geschicklichkeit
in Veränderung derselben zu zeigen.
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