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Bedingt durch das starke musikalische Interesse des sächsischen
Kurfürsten Friedrich August III. sowie die allgemeine Beliebtheit
der Gattung rückte im Schaffen Dresdner Musiker das Konzert für
Tasteninstrumente im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts stärker
in den Vordergrund. Als der produktivste Komponist tat sich hierbei
Christlieb Siegmund Binder hervor, der 1723 in Dresden geboren wurde
und 1751 als Pantaleonspieler in die Dresdner Hofkapelle eintrat. Von
1764 bis zu seinem Tod 1789 war er als zweiter Hoforganist tätig.
In seinem uvre beschränkte er sich auf Instrumentalmusik,
in welcher das Cembalo entweder als Solo- oder Obligatinstrument eine
herausragende Rolle einnimmt. Der größte Teil seiner Werke
ist in handschriftlicher Form überliefert und befindet sich heute
überwiegend in der Sächsischen Landesbibliothek - Staats-
und Universitätsbibliothek Dresden, darunter 33 seiner insgesamt
34 erhaltenen Konzerte für Cembalo. Sie entstanden im Zeitraum
zwischen etwa 1755 und 1778. Für den Gebrauch bei Hof war lediglich
ein Teil davon bestimmt.
[...] In ihrem Aufbau folgen Binders Kompositionen durchaus Modellen
der Zeit, lassen sich jedoch keiner der regionalen Gattungstraditionen
zuordnen. Vielmehr zeigen sie einen sehr persönlichen Gestaltungswillen,
der zu einer eigenständigen Ausrichtung des Typus führte,
ohne daß sich in Dresden dafür direkte Vorbilder finden ließen.
Eine besondere Werkgruppe im Schaffen Binders stellen die achtzehn sogenannten
"Kurfürsten-Konzerte" dar, die er für Friedrich
August III. komponierte und die er diesem 1767 überreichte. Bereits
1763 hatte der Komponist auf Befehl der Kurfürstin Maria Antonia
Walpurgis Sechs Trios fürs Clavecin mit Flöte oder Violine
für den zukünftigen Regenten verfertigt und mit einer Widmung
versehen, die des Kurprinzen "ganz ausserordentliche Lust und Fähigkeit
zur Music, und bewundernswürdige Geschicklichkeit auf dem Clavecin"
hervorhob. Diese ausgesprochene Affinität zum Tasteninstrument
mag Binder - dem offensichtlich kein Auftrag vorlag - veranlasst haben,
eine Sammlung von eigenen Cembalokonzerten zu übergeben, deren
Zahl auf den bevorstehenden achtzehnten Geburtstag Friedrich August
III. anspielte. Da dieser hiermit gleichzeitig die Regierungsmündigkeit
erreichte, knüpften sich an das Geschenk des Komponisten vermutlich
auch Hoffnungen auf Vergünstigungen durch den jungen Herrscher.
Das Konzert in e-Moll ist das letzte Werk dieser "Kurfürsten-Konzerte"
und weist von sämtlichen Kompositionen der Sammlung die kleinste
Besetzung auf. Es verlangt neben dem Soloinstrument lediglich einen
vierstimmigen Streicherapparat und verzichtet auf die Hinzufügung
von Holzbläsern und/oder Hörnern, wie sie sich - in wechselnder
Stärke - in den anderen Konzerten finden. Besondere Erwähnung
verdient der dritte Satz, eine Fuga Allabreve, die auf reizvolle Weise
kontrapunktische Technik und konzertierende Elemente miteinander vereint.
Diese für die Gattung ungewöhnliche Form verwendete auch Johann
Sebastian Bach in drei seiner Brandenburgischen Konzerte (BWV 1047,
1049, 1050). Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Binder die Nähe
zum Werk des Leipziger Thomaskantors ausdrücklich gesucht hat,
wusste er doch, dass der Prinz die kontrapunktischen Werke Bachs und
Jan Dismas Zelenkas außerordentlich schätzte. Gleichzeitig
zeigt sich in der besonderen Faktur des Satzes die Vorliebe des Komponisten
für individuelle Lösungen abseits von modischen Trends und
sein Vermögen, durch eine Verschmelzung von Altem und Neuem erstaunlich
Originäres ans Licht zu bringen.
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