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Bei
der Neuorganisation des Musiklebens der protestantischen Regionen Deutschlands
nach dem Dreißigjährigen Krieg spielen die zwischen
1641 und 1649 gedruckten Anthologien des Breslauer Organisten und Handelsmanns
Ambrosius Profe und die an sie anknüpfende Sammlung des Berliner
Kantors Johann Havemann eine bedeutende Rolle. Als Havemann 1659 seine
eigene Sammlung vorlegte, knüpfte er nicht nur in der Formulierung
des Titels an Profe an, in der an Kurfürst Friedrich Wilhelm gerichteten
Widmungsvorrede berief er sich auch explizit auf sein Vorbild. Die durchweg
auf hohe Qualität bedachte Auswahl vermittelte den Zeitgenossen
einen repräsentativen Eindruck von den musikalischen Entwicklungen,
die in den Jahrzehnten seit dem Ausbruch des Krieges südlich der
Alpen stattgefunden hatten. Auch Havemanns Sammlung muss ein großer
Erfolg beschieden gewesen sein, denn noch heute lässt sich ihre
weite Verbreitung nachweisen.
Zumindest in seiner frühen Berliner Zeit scheint Havemann eher
als Direktor der höfischen Kirchenmusik denn als Kantor des kurfürstlichen
Gymnasiums gewirkt zu haben. Dies würde auch den erlesenen Charakter
seiner 1659 veröffentlichten Geistlichen Concerte erklären,
die eher auf ein höfisches Umfeld hinweisen. Bezüglich der
Repertoireauswahl (Grandi, Rovetta, Monteverdi) finden sich bei ihm
einerseits deutliche Parallelen zu Profe, andererseits ist aber auch
das Bestreben zu erkennen, eigene Akzente zu setzen.
Mit seinen Geistlichen Concerten von 1659 ist dem Berliner Kantor und
Dommusikdirektor Johann Havemann die Kompilation einer herausragenden
Anthologie von Meisterwerken seiner Zeit gelungen. Die Sammlung stellt
ein bemerkenswertes Denkmal der Musikpflege zwischen Elbe und Oder in
der Mitte des 17. Jahrhunderts dar.
Aus dem Vorwort von Peter Wollny
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