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Aus dem
Vorwort zur Partitur
Von
Hansjörg Drauschke
Das 1702 entstandene Sing=Spiel Der edelmüthige Porsenna
ist Johann Matthesons (16811764) frühestes vollständig
erhaltenes Bühnenwerk. Von der 1699 komponierten Oper Die Plejades
des 17-Jährigen ist nur eine Arie überliefert. Trotz der exponierten
Stellung, die Porsenna damit in Matthesons Schaffen einnimmt, wurde
dieses Werk bisher von der Forschung kaum wahrgenommen. Das ist umso
bemerkenswerter, als Mattheson immer wieder betonte, dass er die Opern
d.h. sowohl ihre Komposition als auch ihre aktive Rezeption einschließlich
der sängerischen Darstellung als seine wichtigste musikalische
Universität ansah.
Nach
seinem Abgang vom Johanneum 1693 war Mattheson bis 1705 hauptberuflich
Sänger der Hamburger Oper und bestritt die meisten großen
Tenorrollen des Repertoires. Zwischen 1699 und 1711 schuf er sechs eigenständige
Bühnenwerke und beteiligte sich an einem Pasticcio. Seine Opern
zeigen ihn durchweg als äußerst experimentierfreudigen Komponisten.
In Porsenna kommt diesem experimentellen Moment eine besondere Bedeutung
zu. Mattheson verwendet hier nicht nur unterschiedliche Arientypen,
er reizt vor allem die Möglichkeiten expressiver Gestaltung sowohl
in den Arien als auch in den Rezitativen stark aus. Unter diesem Aspekt
sowie hinsichtlich der musikalischen Formen ist Porsenna im Vergleich
zu in zeitlicher Nachbarschaft entstandenen Opern insbesondere Reinhard
Keisers sehr modern.
Matthesons
Oper liegt das Sujet Mutius vor Porsenna zugrunde, das sich
als Paradebeispiel für eine Fabel über den Heldenmut großer
Beliebtheit erfreute. Der Stoff stammt aus Titus Livius Geschichtswerk
Ab urbe condita. Livius Bericht wurde u.a. von den Librettisten
Niccolò Minato, Friedrich Christian Bressand und Paolo Rolli
bearbeitet und von Francesco Cavalli (1665), Antonio Stradella (1679),
Reinhard Keiser (1695), Antonio Lotti (1712), Giovanni Bononcini (1695,
1710), Georg Caspar Schürmann (1718) und das Dreigespann Filippo
Amadei (Akt I), Bononcini (Akt II) und Händel (Akt III; 1721) vertont.
Mattheson wählte das zuvor von Keiser vertonte Libretto Clelia
von Bressand, verzichtete auf den ersten Akt und gab der Komposition
den Titel Der edelmüthige Porsenna.
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