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Aus:
Berliner
Zeitung
26. März
2004
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Voll
Schwung und Elan
Ein Stück Berliner
Geschichte kehrt zurück, ein Stück, das freudvoll auf die
Zukunft gerichtet ist, und eine Wiederentdeckung dazu. Carl Heinrich
Graun machte sich einst, zur Zeit Friedrichs II., um Berlin verdient.
Er war nicht nur Hofkapellmeister des Monarchen, der Preußen so
richtig nach vorn brachte. Er setzte auch ein Libretto des Königs
in Töne, als der den Schönheiten der Künste noch ebenso
intensiv zugetan war wie den Affären der großen Politik.
Grauns Passionsoratorium wurde in Berlin noch bis in die jüngere
Vergangenheit als Alternative zu den alle Jahre wiederkehrenden Bach-Passionen
in petto gehalten und aufgeführt. Dass der langjährige getreue
Musikmeister des alten Fritz auch ein Osteroratorium hinterlassen hatte,
war selbst Experten bis vor einigen Jahren unbekannt. Werke über
die Auferstehung sind in der Musikgeschichte ohnehin dünner gesät
als solche über das Leiden Christi, obwohl der Tod Jesu für
die zahllosen nachfolgenden Generationen nicht von anhaltendem Interesse
geblieben wäre, wenn der Nazarener nicht ins Leben zurückgekehrt
und so für alle, die an ihn glaubten, die Allmacht und Selbstverständlichkeit
des Todes gebrochen hätte.
Grauns Osteroratorium war verschollen, vergessen. Nun wurde es vor kurzem
gefunden und identifiziert, in Beständen, die eine abenteuerliche
Odyssee von Braunschweig über Thüringen nach Bonn hinter sich
hatten. Inzwischen wurde es auch neu herausgegeben und damit für
Aufführungen verfügbar gemacht. An den Ostertagen feiert das
Werk in der Philharmonie seine Auferstehung aus der historischen Versenkung.
Der RIAS Kammerchor und das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin führen
es unter der Leitung von Reinhard Göbel auf.
Der RIAS Kammerchor legt seit vielen Jahren einen Schwerpunkt seiner
Arbeit auf die historische Aufführungspraxis Alter Musik. Für
eine Darstellung des Graunschen Oratoriums, die sprachliche Deutlichkeit
mit eindringlicher Phrasierung und transparentem Klang zusammenbringt,
ist er geradezu prädestiniert. Das Deutsche Symphonie-Orchester
Berlin, das seinen Schwerpunkt im romantischen, modernen und zeitgenössischen
Repertoire setzt, hat in den letzten Jahren regelmäßig mit
erfahrenen und exponierten Vertretern der historischen Aufführungspraxis
gearbeitet. Reinhard Goebel, Gründer und Leiter der Musiqua antiqua
Köln, legte seinen Schwerpunkt auf die Interpretation der Musik
rund um die Ära Johann Sebastian Bachs. Mit der Stilistik Grauns
ist er bestens vertraut. Man könnte dem Alt-Berliner Komponisten
und seinem Osteroratorium kaum eine bessere Wiedererweckung wünschen.
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