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zurück Musik aus der Dresdner Hofkirche

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250 Jahre Dresdner Hofkirche

Die Festwochen zum 250-jährigen
Jubiläum der Dresdner Hofkirche
fanden im Juni 2001 statt. Am
Jubiläumstag 29. Juni (18 Uhr)
wurden wie am Weihetag vor 250
Jahren die Messe in D-Moll und
das Te-Deum in D-Dur von
Johann Adolf Hasse im Rahmen
eines Festgottesdienstes aufge-
führt. Ebenfalls im Jubiläumsjahr
haben die Orgelbaufirmen Jemlich
und Wegscheider mit der Rekon-
struktion der Silbermann-Orgel
begonnen. Der Ausbau ist für
Anfang November vorgesehen.
Die Orgelpfeifen sollen gelängt
und ihre Stimmung wieder dem
Silbermannschen Original ange-
nähert werden; sie liegt dann
einen halben Ton tiefer als die
heutige Orchesterstimmung.
Man verspricht sich davon einen
dem Kirchenraum angepassten
besonders schönen Klang des
Instruments.

Vorwort zur Reihe
V
on Gerhard Poppe

• • • Mit dem Konfessionswechsel Augusts des Starken und seiner Wahl zum polnischen König im Jahre 1697 änderten sich die Bedingungen für die Kirchenmusik in der sächsischen Residenz entscheidend. Der evangelische Hofgottesdienst in der Schloßkapelle, der Wirkungsstätte von Johann Walter und Heinrich Schütz, bestand mit nur noch geringem musikalischen Aufwand weiter und wurde 1737 in die Sophienkirche verlegt, wo er bis 1918 existierte. Die Einrichtung eines ständigen katholischen Hofgottesdienstes in Dresden erfolgte erst am 5. April 1708 mit der Einweihung des umgebauten alten Opernhauses am Taschenberg als Hofkirche. Während in Anwesenheit des Königs die Hofkapelle für die Kirchenmusik verantwortlich war, musizierte ein im Herbst 1709 eingerichtetes eigenes kleines Ensemble an den übrigen Sonn- und Feiertagen.

• • • Einen großen Aufschwung brachte im Herbst 1717 die Ankunft einer aus italienischen Sängern bestehenden Operntruppe unter der Leitung von Antonio Lotti (um 1667-1740), die an Festtagen und zu besonderen Gelegenheiten auch den Kirchendienst übernahm. Nach ihrer Entlassung zu Ostern 1720 fiel dem Kapellmeister Johann David Heinichen (1683-1729) sowie Jan Dismas Zelenka (1679-1745) und Giovanni Alberto Ristori (1692-1753) die Aufgabe zu, ein Repertoire katholischer Kirchenmusik für die Hofkapelle aus eigenen Werken sowie aus italienischen, böhmischen und Wiener Kompositionen zu schaffen und mit dem vorhandenen Personal aufzuführen. Besondere Förderung erfuhren der katholische Hofgottesdienst und die Kirchenmusik durch die Kurprinzessin und spätere Königin Maria Josepha. Mit dem Dienstantritt des neuen Kapellmeisters Johann Adolf Hasse (1699-1783) im Februar 1734 änderte sich die bisherige Ordnung in wichtigen Details: Das Hofkirchenensemble war schon 1733 auf sechs Knaben reduziert worden und seit dieser Zeit gehörte die Musik für alle Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres zu den Aufgaben der Hofkapelle. An die Stelle der Kirchen-Compositeurs Zelenka und Ristori traten später Johann Michael Breunich (1699-1755; ernannt 1746) und Johann Georg Schürer (um 1720-1786; ernannt 1748).

• • • Am Fest St. Peter und Paul 1751 wurde die von Gaëtano Chiaveri erbaute neue Katholische Hofkirche eingeweiht, mit deren berühmt-berüchtigter Akustik sich in der Folge alle Dresdner Komponisten konfrontiert sahen. Der für Sachsen verheerende Siebenjährige Krieg, der Tod Augusts III. und seines Sohnes Friedrich Christian 1763 innerhalb weniger Wochen und die Entlassung Hasse in demselben Jahr beendeten eine glanzvolle Ära. Im Gefolge eines schrittweisen Wiederaufbaus wurde veraltete Musik archiviert und Johann Gottlieb Naumann (1741-1801; 1764 Kirchen-Compositeur; 1776 Kapellmeister); Domenico Fischietti (um 1725-nach 1810; 1766-1772 Kapellmeister); Joseph Schuster (1748-1812; 1772 Kirchen-Compositeur; 1787 Kapellmeister) und Franz Seydelmann (1748-1806; 1772 Kirchen-Compositeur; 1787 Kapellmeister) schufen zusammen mit Schürer ein neues Repertoire. Seit dieser Zeit wurde für die Dauer eines ganzen Jahrhunderts fast ausschließlich Kirchenmusik von am Dresdner Hof angestellten Komponisten aufgeführt. Später kamen Vincenzo Rastrelli (1760-1839; 1793-1802, 1807-1814 und 1824-1831 Kirchen-Compositeur), dessen Sohn Joseph Rastrelli (1799-1842; 1829 Musikdirektor) und Franz Anton Schubert (1766-1827; 1814 Kirchen-Compositeur) hinzu. Aber auch die neuen Kapellmeister Ferdinando Paër (1771-1839; 1802-1806 in Dresden), Francesco Morlacchi (1784-1841; seit 1810 in Dresden), Carl Maria von Weber (1786-1826; seit 1817 in Dresden) und Carl Gottlieb Reißiger (1798-1859; seit 1826 in Dresden) bereicherten das Repertoire mit neuen Kompositionen. So war Richard Wagner der erste Dresdner Hofkapellmeister, der keine eigenen Werke zum Gebrauch in der Hofkirche schrieb.

• • • Den Umfang des Kirchendienstes der Hofkapelle war immens: An jedem Sonn- und Feiertag wurde um 11 Uhr eine Messe und um 16 Uhr eine Vesper aufgeführt. Dazu kam samstags und vor dem Feiertagen jeweils um 16 Uhr eine Litanei; in den Oktaven von Fronleichnam und vom Fest des Hl. Franz Xaver wurden die entsprechenden Litaneien jeden Nachmittag aufgeführt. In der Fastenzeit erklang nachmittags im Rahmen entsprechender Andachten jeden Montag bis Freitag ein Miserere, dazu an den Sonntagen und Freitagen nach der Fastenpredigt ein Verset und am Fest der Sieben Schmerzen Mariä (Freitag vor Palmsonntag) das Stabat Mater. Die Gottesdienste der Karwoche erhielten ebenfalls durch die Musik ihr besonderes Gepräge; außerdem gab es bis 1825 jährlich am Karsamstagnachmittag die Aufführung eines italienischen Oratoriums. Der Verstorbenen wurde am Fest Allerseelen und am 3. und 5. November (Gedächtnis der verstorbenen Mitglieder des Hauses Wettin und der verstorbenen Geistlichen) mit einem Requiem gedacht; weitere Aufführungen dieser Art fanden an den Todestagen des Stifterpaares Augusts III. (5. Oktober) und Maria Josephas (17. November) sowie am Todestag des jeweils letztverstorbenen Herrschers statt. Am Geburtstag des regierenden Königs, am letzten Tag des Jahres und zu besonderen Gelegenheiten erklang das Te Deum laudamus. Damit beliefen sich die Aufgaben der Hofkapelle bis nach der Mitte des 19. Jahrhunderts auf insgesamt über 250 Kirchendienste im Jahr.

• • • Gerade in den Jahrzehnten vor und nach 1800, als die katholische Kirchenmusik anderorts im Niedergang begriffen war, erreichte sie in der Dresdner Hofkirche eine ihrer größten Blütezeiten und wurde zum erstrangigen Anziehungspunkt für alle Besucher der Stadt. Die von ihr ausgehende Faszination trug wesentlich dazu bei, daß die Hofkapelle während der russischen und preußischen Besetzung Sachsens nach dem Ende der Napoleonischen Kriege von der Auflösung verschont blieb. Erst die Aufhebung der italienischen Oper in Dresden im Jahre 1832 bewirkte einen nachhaltigen Einschnitt, weil die italienischen Sänger innerhalb weniger Jahre die Stadt verließen. Die Verstärkung der Kapellknaben von acht auf zwölf (später auf sechzehn) bot keinen gleichwertigen Ersatz für die Kastraten, deren letzter 1845 nach Italien zurückkehrte. Zugleich vermehrten sich die Anforderungen an die Hofkapelle in der Oper und bei den Schauspielmusiken. Seit dem Herbst 1863 fiel die Mitwirkung der Instrumentalisten bei den meisten Litaneien weg und 1864 durften erstmals Sängerinnen katholischer Konfession die Solopartien in der Kirche übernehmen. Mit der Reorganisation der Kirchenmusik unter den neuen Bedingungen wurden seit den 1880er Jahren Frauen auch im Chor zum Kirchendienst zugelassen und Werke von Haydn, Mozart, Cherubini und anderen erhielten neben denen der Dresdner Kapellmeister ihren Platz im Repertoire. Die Zahl der Dienste verminderte sich allmählich; trotzdem hatte die Hofkapelle 1903 noch 79 Aufführungen mit Orchester und 96 mit Orgelbegleitung zu leisten.

• • • Als 1920 im Gefolge der Revolution und der Abdankung des letzten sächsischen Königs die Hofkapelle in die Sächsische Staatskapelle umgewandelt wurde, blieben die Musikaufführungen zum sonntäglichen Hochamt trotz Widerspruchs von interessierter Seite erhalten. Erst die nationalsozialistischen Machthaber hoben mit Wirkung vom 1. Januar 1938 den regulären Kirchendienst der Staatskapelle und des Opernchores auf, während die Kapellknaben weiterbestanden. Seit dieser Zeit fällt die Musik in der Dresdner Hofkirche, die seit 1980 Kathedrale des Bistums Dresden-Meißen ist, in kirchliche Verantwortung, wobei das Orchester zu den Aufführungen an den Hochfesten wiederum von Mitgliedern der Sächsischen Staatskapelle gestellt wird. Einige der für die Hofkirche komponierten Werke nehmen dabei nach wie vor einen Ehrenplatz im Repertoire ein.

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